Arbeitsstelle für praktische Biologie


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Buch: Ankomme 24. Dezember bei Baum und Strauch - Auszug "Fichte"


10- Die Fichte

Der nächste Waldbewohner, der sich zu Wort meldet, ist zugleich der erste Nadelträger unter den Bäumen. "Muss ich mich Euch vorstellen. Bin ich nicht zur Genüge bekannt? In dieser hügeligen, gebirgigen Gegend bin ich schon seit uralten Zeiten heimisch. Seit Jahrhunderten bin ich als Kulturfolger dem Menschen auf der Spur. Wer kennt mich nicht? Den bis siebzig Meter hohen immergrünen Nadelbaum mit der gleichmässigen kegeligen Krone und den hängenden Zapfen?

Und doch. Wer kennt mich denn?

Als Mutter- und Lebensbaum bin ich das Symbol der weiblich- bergenden, schützenden und lebenserneuernden Kraft. Der Maibaum, die Künderin und das Feuer neuen Lebens. Ja, als Feuerbaum bringe ich Euch allen Wärme und Licht.

Meine Wirkungen sind vielfältig.

Zunächst wirke ich im Körper des Menschen. Ich öffne seine Atemwege. Sei es allein durch meine Nähe und durch die angenehme, feuchtwarme, atmende Erde zu meinen Wurzeln. Sei es durch die Wirkstoffe im Rauch meiner Zapfen und Nadeln, die zugleich desinfizieren und die Umgebung von trübseligen Gedanken reinigen, sei es durch die Essenzen im Honig meiner Nadelschösslinge, die auch den Husten besänftigen, sei es durch die Säfte und Öle aus meinem Lebensstrom, die zudem ein Gefühl von Heimat und ‘Hier-will-ich-sein’ suggerieren. Ich kräftige des Menschen Lunge und verhelfe ihr zu einer vertieften Atmung; gleichzeitig verstärke ich die Zirkulation des Blutes in ihr.

Dann verlagere ich meine Kräfte in die Seele des Menschen und wandle dessen innere Unruhe, Nervosität und Angespanntheit um in Ruhe und Ausgeglichenheit. Geborgenheit, Schutz und Wärme durchwirken ihn und geben ihm neue Kraft und Energie.

Die richtige Wahl mit mir trifft auch der Erkältete, der Lungen- und Bronchienkranke - besonders bei verschleimten Atemwegen, bei Nebenhöhlen- , Kieferhöhlen und Stirnhöhlenentzündungen. Ein Kräuterkissen, gefüllt mit meinen Nadeln, ist sicher der erste Schritt zur Besserung. Ein Bad mit meinen Essenzen ein zweiter. Eine Salbe oder Tinktur aus meinem Harzöl ein dritter.

In der Küche bin ich mit meinen Schossen in jungen Salaten und Suppen sehr schmackhaft und ein Garant für die genügende Versorgung mit Vitamin C. Auch kann aus den Jungnadeln Limonade hergestellt werden.

In der Waschküche eignet sich meine Rinde als Färbemittel für die verschiedensten Naturmaterialien. Von braun über rot-braun bis rot-grau reicht mein Spektrum.

Im Garten machen meine Nadeln das Bodenmilieu schwach sauer. Nacktschnecken finden dies nicht besonders angenehm und ziehen bald aus.

In der Werkstatt hat mein Holz als Bau- und Möbel- und, seit Stradivari, als Instrumentenholz, aber auch für Kisten und Harassen eine wichtige Stellung inne."

"Wie steht es bei Dir mit der Gabe an unser Kind?" wundert die Eule.

"Ich denke mir", bringt die Rottanne mütterlich nach ruhigem Überlegen vor, "dass ein Kräuterkissen, gefüllt mit jungen Nadeln das Christkind in süsse Träume und entspannten, göttlichen Schlaf geleiten wird. Dies soll das Kind von mir erhalten."

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