Arbeitsstelle für praktische Biologie


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Buch: Ankomme 24. Dezember bei Baum und Strauch - Auszug "Stechpalme"


15 - Die Stechpalme

"Jetzt möchte ich aber Dich hören, kleiner grüner Strauch mit den leuchtend roten Beeren", wünscht die Eule. "Ist es im Winter nicht etwas verwegen, immergrüne Blätter zu tragen und so verschwenderisch mit den Früchten umzugehen?"

"Ganz im Gegenteil", erwidert die Stechpalme. "Ich bin der Überzeugung, das man alles, was man als richtig und mit den göttliche Plänen in Übereinstimmung stehend erkannt hat, mit der ganzen Kraft seines Willens in die Tat umsetzen muss. Dies war schon ein Kernpunkt der druidischen Lehren.

Ich bin dazu ausersehen in dieser Zeit der schwarzen Nächte, Hoffnung und damit die Unsterblichkeit der Seele in die Herzen der Menschen zu stechen.

Diese Aufgabe habe ich auch bei den Christen. Allen christlichen Winterfesten wohne ich bei: Weihnachten, der Fastenzeit, Palmsonntag, Ostern. Die Asche, mit der den Gläubigen am Aschermittwoch ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet wird, das Zeichen der Vergebung der Schuld, ist Stechpalmenasche.

Ich bin die Verbindung zwischen Druiden- und Christentum.

Denn bei den Druiden stellte ich die Liebe der Götter zu den Menschen wieder her und gab ihnen ihre Achtung zurück. Ja, ich gehöre beiden Welten an, der alten keltischen und der neuzeitlichen christlichen.

Als Wandler forme ich die negativen Gefühle der Liebe: Neid, Hass, Eifersucht und Verhärtung des Herzens in positive um. Genauso wie ich meine stacheligen, gezähnten Blätter der Laubschicht nach oben zur Krone hin in unbewehrte, glattrandige wandle. Ich löse, relativiere, beruhige und führe den Menschen wieder hin zur unerschöpflichen Quelle der Liebe und Achtung.

Im Volk gelten mein Blätter als sicheres Mittel gegen Keuchhusten, ja gegen Husten aller Art. Aber auch bei Fieber, Grippe, Erkältungskrankheiten, bei Krämpfen und Koliken, bei Gicht und Rheuma werden sie eingesetzt.

Räucherungen von Blättern, Holz und Rinde können die Wirkung verstärken.

Die Beeren sind giftig und mit Vorsicht zu verwenden. Am hübschesten machen sie sich in einem weihnächtlichen Strauss.

Ich werden den gemeinen und den wolligen Schneeball fragen, ob ich nicht einige meiner Fruchtzweige zu den ihren als Geschenk beifügen kann.

Es soll mein Zeichen der Freundschaft mit dem Christkind sein. Und es soll auch an die Gemeinsamkeit von Druiden- und Christentum erinnern: an das Heil und das Heilige im Menschen, die Liebe zu, und die Achtung voreinander".

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