Arbeitsstelle für praktische Biologie


  • E-mail für Kontakte mit der APB

Buch: Ankomme 24. Dezember bei Baum und Strauch - Auszug "Lärche"


21-Die Lärche

"Glaube, Hoffnung, Liebe, so heissen die drei göttlichen Tugenden. Glaube und Liebe haben sich vorgestellt. Die Hoffnung ist mein Lebensantrieb. Mit ihr kann ich als Extrembergsteigerin in harten Klimaregionen überleben und steige bis auf Höhen von 2400 Metern.

Ich bin Nadelbaum. Also ein Vertreter jener Spezies, die die Oberfläche ihrer Blätter auf ein Minimum reduziert hat, um damit die, für die eigenen Bedürfnisse idealen Bedingungen für Atmung, Produktion und Transport von Lebenssubstanzen zu schaffen. Wegen des grossen Blattvolumens, im Vergleich zur Oberfläche, ist es den Nadelhölzern problemlos möglich, den Winter zu überstehen. Ihre Blätter erfrieren nicht. Und trotzdem: Jahr für Jahr werfe ich im Herbst mein altes Nadelkleid ab und wage einen Neubeginn im Frühling. Ein heikler Schritt. Und ohne Hoffnung und Vertrauen an ein Weiterleben nach dem Winter zweifelsfrei undenkbar. Loslassen und Neubeginnen, das ist mein Leben.

So helfe ich auch dem Menschen, seine alten Kleider, seine negativen Erlebnisse, Gefühle und Erinnerungen, abzustreifen und dem Kommenden hoffnungsvoll entgegenzugehen. Ich gebe als zartgliedrigster Baum unter den Nadelhölzern dem seelisch zarten Lebewesen Vertrauen in sich selber. Ich nehme ihm seine Minderwertigkeitskomplexe. Ich befreie gestaute und fehlgeleitete Energie. Ich lasse neue Kraft fliessen. Ich reinige Geist und Seele. Ich befreie den Druck, das alte Kleid im Innern des Körpers und mache den Menschen von Grund auf neu. Ich vertiefe seine Atmung. Damit das Feinstoffliche in seinem Körper, in seinem Herz und in seiner Seele wieder wirken kann. Ich verjünge das Denken und Bewusstsein. Die innere Stimme, die Stimme der Hoffnung kann somit wieder sprechen. Die äusseren Belastungen finden einen inneren Halt. Die Ungewissheit verwandelt sich in Zuversicht und Gewissheit, die Mutlosigkeit in Vertrauen und in den Glauben an die Zukunft. Wahrlich ein Neubeginn."

Die Lärche holt selber tief Atem und fährt fort: "Es leuchtet deshalb auch ein, in welcher Art meine Teile zu verwenden sind. Ob als Räucherung oder Harzsalbe, ob als Bad oder Tee: sie helfen bei Problemen mit der Atmung und der Durchblutung. Denn was nützen die Kräfte, wenn sie nicht an ihren Wirkungsort transportiert werden können? Eine froh machende Entspannung tritt automatisch ein. Auch bei Verkrampfungen und Muskelschmerzen, bei Rheuma und Gicht."

"Dein Holz sei das harzreichste überhaupt, sagen die Förster", meldet sich die Eule.

"Und damit geeignet für witterungsbeständige Anwendungen. Dank seiner Festigkeit und Tragfähigkeit wird es seit Jahrhunderten zum Bau von Blockhäusern verwendet, so zum Beispiel im Engadin. Häufig wird es für den Brücken- und Schiffsbau, aber auch für Aussentreppen gebraucht. Für Gartenmöbel, Täfer und Möbel ist es begehrt.

Überall strahlt es seine angenehme Wärme aus. Und Ruhe, Ausgeglichenheit und Geborgenheit. Grundvoraussetzungen für die Hoffnung.

Für das Christkind habe ich eine Wiege aus meinem Holz bereit. Wenn es sich darin ausruht, werden die Kräfte Körper, Geist und Seele harmonisch verbinden und den Keimling Mut, der Altes abstreift und Neues wagt, nähren und zu voller Grösse reifen lassen."

nächste Seite