Arbeitsstelle für praktische Biologie


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Buch: Ankomme 24. Dezember bei Baum und Strauch - Auszug "Pappel"


23 - Die Pappel

"Tapferkeit, da würde ich mich sehen", meldet sich ein Baum von hohem Wuchs inmitten von kreisrunden, gezähnten Blättern. Es ist die Pappel, genauer gesagt, die Zitterpappel.

"Wir wissen um die Bedeutung der Ambivalenz im Leben. Von jeder Wahrheit ist das Gegenteil ebenso wahr, lehrt uns der Ahorn. Genauso verhält es sich bei uns Pappeln. Wir alle kennen geflügelte Worte, wie ‘er zittert wie Espenlaub’ oder Sprichwörter wie ‘er will der Espe das Zittern lernen’. Wir Pappeln sind Symbole der Furcht und der Schmerzen. Und deshalb auch Sinnbilder der Tapferkeit.

Ich kann bei allen mit Schmerzen verbundene Leiden Linderung und Hilfe bringen. Feinfühlige, in sich gekehrte Menschen registrieren oft mit einer sonderbaren Ängstlichkeit alles, was um sie herum geschieht. Oft leiden sich unter inneren Zwängen. Und verbrauchen dabei viel Energie. Der Stoffwechsel verlangsamt sich. Die Zellen erneuern sich sehr sehr langsam. Schwäche entsteht. Ermattung. Entmutigung. Häufig verbunden mit Schmerzen, vielleicht auch mit Gicht und Rheuma. Es fehlt die Kraft, sich dem Leben zu stellen.

Und jetzt bin ich gefragt. Ich bin biegsam und beweglich. Ich trotze jeglicher Unbill. Ich öffne und wecke die Lebensgeister und damit den Wachstumsprozess wieder. Ich gebe neuen Mut, neue Kraft. Zuerst der Seele, dann dem Körper. Ungeahnte Quellen werden erschlossen. Tapferkeit durchwirkt den Menschen. Tapferkeit, um das Leben zu meistern.

So werde ich in der Bachblütentherapie und in der Baumheilkunde angewandt. Auch in der Heilkunst des einfachen Volkes braucht man mich in dieser Richtung. Meine Knospen, Blätter und die Rinde helfen gegen Schwäche und Verdauungsstörungen. Ich wirke gut und sicher. Äusserlich bei Verbrennungen, Wunden, Hautausschlägen, bei Furunkeln und Abszessen, innerlich auch gegen Gicht und Rheuma.

Den Menschen rufe ich zu: verwendet mich als Bad, für Waschungen, als Umschlag, als Crème, als Milch oder Balsam. Ich werde euch nicht enttäuschen.

Mein Holz dient oft als Ersatz für Linden- und Fichtenholz. Holzschuhe werden damit hergestellt. oft auch Teller und Spielsachen. In der Papierindustrie nehme ich einen immer bedeutenderen Platz ein, genau wie in der Zellstofffabrikation. Als Streichholzlieferant gehe ich ins zweite Jahrhundert. Ich wachse auch unter widerlichen Umständen sehr rasch und setze innert kürzester Zeit viel Holz an. Das ist meine Stärke als Holzbaum."

"Das Geschenk, das Du machst, steht das auch im Zusammenhang mit Deiner Tapferkeit?" möchte die Eule wissen.

"In gewissem Sinne sicher. Ich stelle dem Christkind gegen Schmerzen und für die Stärkung des Lebensmutes einen Balsam her. Gut verschlossen und dunkel und kühl aufbewahrt erfüllt dieser Jahre lang seinen Zweck im Dienste der Tapferkeit." erklärt die Pappel und wiegt ihren schlanken Körper anmutig im aufkommenden Morgenwind.

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