Arbeitsstelle für praktische Biologie


 
baldrian -
schlafkissen

Die Pflanze

Baldrian ist sicher eine der bekanntesten Heilpflanzen - wenigstens dem Namen nach. Für Heilanwendungen verwendet man ausschliesslich die Wurzel.
Im Mittelalter galt diese als Allheilmittel schlechthin. Liebesmittel war die Wurzel im 15. Jahrhundert: "Wilter gute freuntschaft machen under manne und under weibe, so nym valerianum uns stosz die czu pulver und gib ins czu trinken in Wein". Und in Pestzeiten galt: "Esst Bimellen (Bibernelle) und Baldrian, so geht euch die Pest nicht an". Baldrian mit seinen unpaarig gefiederten Blättern, dem hohlen gefurchten Stengel und den (jetzt verblühten) lila Blüten muss kaum vorgestellt werden.

Die Wirkung

Pfarrer Kneipp schrieb: "Alle Formen von nervösen Zuständen, ob im Krampf oder Schmerz verlangen den Baldrian. Er fördert die Schlafbereitschaft durch Entspannung. Auch bei Kopfschmerzen, nervösen Herzleiden, Schilddrüsenüberfunktion, Galle- Magen- und Darmstörungen ist ein Tee davon angezeigt. Verwendet wurde der Baldrian aber im Laufe der Zeit auch gegen Seitenstechen, zur Förderung des Monatsflusses, gegen Husten, Atembeschwerden und anderes mehr. Baldrianwein aus den Wurzeln brauchte man als Augenmittel bei Wunden und Hämorrhoiden.

Grossmutter Annas Schlafkissen

Gegen Schlafstörungen kam Grossmutter Annas Baldrianschlafkissen zur Anwendung. Dazu zerkleinerte sie Baldrianwurzeln (die erst nach dem Trocknen stark duften). Oft gab sie auch Blüten bei. Ebenso kamen ins Kissen Melissenblätter und - Hopfen. Vor allem der Anteil an älterem Hopfen verstärkte die Wirkung des Schlafkissens.
Bei Nervenproblemen liess Anna Wurzelstücke mit Orangenschalen 2 Wochen in Weisswein ziehen und gab den Betroffenen ein Likörglas davon. Mit Augentrost und Weinraute braute sie den Augentee zur Stärkung derselben.