Arbeitsstelle für praktische Biologie


 
Beinwell-
Narbenpaste

Die Pflanze

In Gräben, an Ufern und auf feuchten Wiesen wächst der Beinwell, Bein- oder Wallwurz in ganz Mitteleuropa. Der Stengel ist saftig, verzweigt und rauhhaarig. Die Blütenfarbe geht von gelblich- weiss über rosa bis hin ins Violette. Die Wurzel reicht bis tief in den Boden, ist dick und spindelförmig, aussen dunkelbraun, innen saftig hellgelb.

Die Wirkung

Die Wurzel ist es auch, die für Heilzwecke gesammelt wird. Die Behandlung damit ist zu empfehlen bei Knochenerkrankungen aller Art, bei Knocheneiterungen, Knochenhautentzündungen, Knochenbrüchen, Verstauchungen, aber auch bei Schnittwunden, Quetschungen, Blutergüssen, schlecht heilenden Wunden und Geschwüren. Auch gegen Bronchitis wird sie übrigens eingesetzt.
Die Wurzel enthält den seltenen Wirkstoff Allantoin, der für die Zellbildung notwendig ist. Weitere Wirkstoffe sind Gerbstoffe, Schleim, Mangan, Kalzium und Phosphor. Die Wurzel wird im Oktober gestochen (mit einer Spitzhacke, da sie durch Ausziehen leicht bricht). Nach Entfernung der verdorbenen Wurzelteile wird der Rest im Backofen bei rund 50 Grad getrocknet, denn die saftige Wurzel schimmelt sonst schnell.

Grossmutter Annas Narbenpaste

Anna verwendete den Beinwell vorwiegend als Narbenpaste. Sie verrührte dazu drei Esslöffel der getrockneten und pulverisierten Wurzel in einer Porzellanschüssel unter Zugabe heissen Wassers zu einem Brei. Den noch warmen Brei strich sie auf einen Leinenlappen und legte ihn auf die Wunde auf. Die Auflage erneuerte sie alle drei Stunden.
Der Breiumschlag verfehlte seine Wirkung auch nicht bei Geschwüren, offenen Beinen und schlecht heilenden Wunden.
Vorwiegend wurde er aber zur sicheren Abheilung von Narben eingesetzt.