12_Der Klostergarten - wider die Sünde

Wie ein Klostergarten aufgebaut ist, und was darin anzubauen ist, das wissen wir seit dem 9. Jahrhundert von Walahfried Strabo, Reichenau und dem St.Galler Klosterplan. Wir wissen auch, dass darin vorwiegend Pflanzen, die in der Bibel erwähnt wurden, wuchsen. Pflanzen zur geistigen Versenkung: Die Rose, die mit ihren 5 Kronblättern die 5 Wunden des Heilands versinnbildlichte, die weisse Lilie, Veilchen, die zur Demut mahnten und bittere Rauten als Zeichen der Reue. Viele Kräuter wiesen zudem auf die Hl. Jungfrau Maria hin. So die Mariendistel, der Rosmarin und der Frauenmantel. Heiligenkräuter ergänzten die illustre Gesellschaft.

Wir wissen ebenfalls, dass Mönche zur Bewahrung der Tugend Kräuter anbauten. Da die Sexualität als des Teufels galt, ist darüber aber wenig erhalten geblieben. Einreibungen mit Lilie-, Johanniskraut-, Wermut- und Lavendelöl nach dem Bad waren höchstwahrscheinlich.

Die Namen der Pflanzen zur Abtötung der Fleischeslust sind aber in der Literatur nur zwischen den Zeilen zu finden: so der Mönchspfeffer (auch Keuschlammstrauch genannt), Lattich, Teichrose, Hirtentäschel, Baldrian und vor allem der Hopfen sind auszumachen.

Wer nun aber meint, die Klosterbrüder hätten die Kunst des Bierbrauens entwickelt, um sich den Versuchungen Satans zu entziehen, der irrt gewaltig. Damals wurde nämlich dem Bier statt Hopfen Bilsenkraut (Pilsen) zugesetzt - und das ist eines der wirkungsvollsten Aphrodisiaka, die wir heute kennen...

Ein Bierchen in Ehren - soll niemand verwehren!

Gegen sexuelle Übererregbarkeit kann man sich heute in jedem Lebensmittelgeschäft problemlos eindecken. Bier, das heute eigentlich immer nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516 gebraut wird, in dem der Hopfen als Bestandteil obligatorisch ist, kann in solchen Fällen billig "medizinische Hilfe" leisten.

Rolf Zingg
www.factorey.ch
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