14_Neunkräutersuppe

Neun Kräuter waren es meist, mit denen sich unsere Vorfahren im neuen Jahr erneut mit den Lebenskräften der erwachenden Vegetation verbanden. Die Kelten personifizierten das frische Grün in der Gestalt des "Grünen Mannes", des Gefährten der Erdgöttin. Dieser stürmische Vegetationsgeist war es, der Wald, Wiese und Feld dem eisigen Winterkönig strittig machte. Auch im Christentum, als die alten Götter und der Grüne Mann längst in Vergangenheit geraten waren, hielt man an der alten Kultspeise fest. Nun löffelte man die eher bitter schmeckende Suppe vor allem in der Karwoche zum Gedächtnis an die bitteren Leiden des Heilands, als Gründonnerstagssuppe.

Die Nährflüssigkeit sollte Harn und Schweiss treiben, den Stuhlgang fördern und den Schleim in der Lunge lösen; kurz: den Winter "aus den Knochen" jagen.

Selbst in diesem Jahrhundert sind derartige "Blutreinigungskuren" gefragt. Neben Brennesseln sammelt man Scharbockskraut, Kresse und Knöterich, Vogelmiere, Gänseblümchen, Geissfuss und je nach Gegend auch noch Löwenzahn, Wegerich, Schafgarbe, Hirtentäschel oder Gundermann.

Jagen Sie den Winter aus Ihren Knochen!

Stellen Sie Ihre eigene Neunkräutersuppe zusammen. Profitieren Sie vom reichhaltigen Angebot der aufkeimenden Natur. Experimentieren Sie und lernen Sie Ihre Umgebung von einer völlig neuen (und schmackhaften) Seite kennen.

Für Unbedarfte hier mein Lieblingsrezept: Nehmen Sie die Blätter folgender neun Kräuter zu gleichen Teilen: Löwenzahn, Scharbockskraut, Brunnenkresse, Vogelmiere, Gänseblume, Geissfuss, Brennnessel, Hirtentäschel und Breitwegerich und bereiten Sie mit Bouillon eine schmackhafte Suppe daraus.

Rolf Zingg
www.factorey.ch
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