15_Berufskräuter - Kräuter gegen die Berufung

Bevor der eiserne Besen der Aufklärung im 18. Jahrhundert (in der Nachfolge eines Descartes und eines La Mettrie) alles Unmessbare und Unerklärbare in das Reich der Phantasten geputzt hatte, tummelten sich auf der Erde noch Elementargeister aller Arten und Gestalten: Zwerge, Kobolde, Elfen, Feen, Geister, Hexen und Dämonen.
Die Welt steckte voller Magie - im Guten wie im Schlechten.
Der Einsatz dieser Übernatürlichkeiten zu eigenem Nutzen - oder zum Schaden anderer - war zwar die Gabe weniger eingeweihter Kreise, die Verstärkung der positiven Naturkräfte und der Schutz gegen den Schadzauber (Berufung) jedoch die selbstverständliche Sache jedes Einzelnen.
Und so stiess man an Haustüren, Giebeln, im Stall - ja sogar am eigenen Leib als Amulett getragen - immer wieder auf Zeichen zum Schutz gegen die Berufung: Auf Zweige von Eibe, Buchs, Erle, Hasel als Vertreter der Holzpflanzen. Aber auch auf Kräuter zum Schutz von Mensch und Tier vor bösen Geistern: Hexenkraut, Gänseblümchen, Johanniskraut, Weissdorn und Beifuss.
Gegen den Milchzauber (Verhexung der Milch) setzte man die Gundelrebe, den Wachholder und die Brennnessel ein, gegen Blitzschlag und Feuer Linde, Birke und - Klettenbüschel.
Zwei Pflanzen tragen heute noch den bezeichnenden Namen: das echte und das kanadische Berufskraut.

Stecken Sie den Palmzweig ans Kreuz!

Letzten Sonntag, am Palmsonntag, haben wir die vom Priester geweihten Palmsträusse mit nach Hause genommen und damit das Stubenkreuz geschmückt. Dahinter steckte (zumindest früher) ganz fest die Überzeugung und der Glaube daran, dass durch diese gesegneten Pflanzen - namentlich Stechpalme und Thuja - Haus und Hof vor Blitz, "Unbekannter Gefahr", Krankheiten und Verwünschungen verschont bleiben sollten.

Auch in christlicher Zeit steckt eben die Gegenwart tief in ihrer Vergangenheit drin!

Rolf Zingg
www.factorey.ch
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