17_Hexenkräuter

Am kommenden 30. April ist Walpurgisnacht. Nacht der Geister und Hexen. Da wir unter dem Titel "Hexensalben" die wichtigsten Kräuter diesbezüglich noch kennen lernen werden, beschränke ich mich heute auf eine einzige Pflanze: Die Gundelrebe.

Als Zeichen der Verbundenheit mit der beseelten Natur flocht man sich an den besonderen Festtagen, wenn die Götter und Geister näher treten als üblich, Gundelrebenkränze ins Haar. Ein solches Gewinde zur rechten Zeit getragen, macht sensibel, ja geradezu hellsichtig. Trägt man es zur Walpurgisnacht, so wird man, der Überlieferung nach, sämtliche Hexen im Dorf erkennen können.

Eine sächsische Sage erzählt von einer Dienstmagd, die genau das tat. Am Sonntag nach Walpugis wand sie sich einen Gundelrebenkranz und begab sich zur Kirche. Zu ihrem Erstaunen sah sie, wie viele Nachbarinnen, ja sogar ihre eigene Herrin, auf Besen und Ofengabeln aus der Kirche geritten kamen. Doch die Teufelsbräute, die auf keinen Fall erkannt werden wollten, sahen das arme Mädchen mit dem Kranz im Haar, fielen über es her und schlugen es so heftig, dass es am nächsten Tag starb...

So erkennen Sie die Hexen im Dorf!

Eine Erklärung dazu können Sie mir nach den obenstehenden Zeilen doch kaum zumuten! Ich glaube, dass damit mein ganzer guter Ruf im Eimer wäre.

Machen Sie sich doch lieber in den kommenden Tagen einen schmackhaften Frühlingssalat aus den Blättern von Löwenzahn, Bärlauch, Wiesenschaumkraut, Sauerklee, Gänseblümchen, Weissdorn und Rotbuche. Mischen Sie eventuell Kopfsalat und Endivie darunter. Eine Sauce aus Kräuteressig, Joghurt, einer gehackten Zwiebel und wenig Senf, mit einer Prise Bohnenkraut, Salz, Estragon, Tymian und Schnittlauch passt vorzüglich dazu. - Und vergessen Sie nicht zum Würzen auch einige kleingeschnittene Gundelrebenblätter darunterzuziehen. Ein wahrlicher Hexenschmaus!

Rolf Zingg
www.factorey.ch
                    Zurück zur magischen Übersicht