38_Pflanzen, die andere brauchen

Wir haben in den letzten beiden Artikeln ein Bild der Pflanze im Überlebenskampf vor Augen geführt erhalten. Sicher: Während Sprossparasiten (z.B. Mistelgewächse) besonders in Nordamerika beachtliche forstwirtschaftliche Schäden anrichten können, werden in zahlreichen Ländern besonders durch Wurzelschmarotzer landwirtschaftliche Erträge in erheblichem Masse bedroht.

Man hätte aber die Artikel allerdings mit dem Satz abschliessen müssen, dass in den meisten Fällen unklar ist, in welcher Art und Weise der "Gesellschaftspartner" auch vom anderen profitiert. Man kann heute davon ausgehen, dass die grösste Zahl der Landpflanzen in einer positiven Gemeinschaft mit Pilzen lebt (auch Nadelbäume wie Fichten, Tannen, Kiefern und Lärchen, und Laubbäume wie Eichen, Weiden, Birken und Buchen) und damit einerseits von einer zusätzlichen Wasserversorgung und andererseits von dem Umstand profitiert, dass der Pilz in grossen Tiefen noch Mineralsalze löslich machen kann. Dafür wird er mit wichtigen Kohlenstoffverbindungen, die er selber nicht aufbauen kann, versorgt. Die Symbiose kann sogar soweit führen, dass verschiedene Pflanzenarten ohne Pilze gar nicht überlebensfähig sind. Dass die Pflanzenwelt auch auf die Tiere angewiesen ist, bedarf meines Erachtens keiner weiteren Erklärung. Denken Sie nur an die Bestäubung...

Gehen Sie wieder mal "i d'Schwümm"!

Wenn wir den Grundsatz beherzigen, dass wir an einem Sammelplatz nur wenige Pflanzenexemplare mitnehmen, können wir von dieser Symbiose schadlos profitieren. Noch finden wir genügend Pilze, um uns für die Küche einzudecken: Ritterlinge, Feld- und Wiesenchampignons, Schwefelköpfe, Täublinge, Röhrlinge, Steinpilze, Stäublinge und Pfifferlinge. Sammeln Sie aber nicht wahllos drauf los: Es gibt sehr gute Bestimmungsbücher – und – nicht alle Pilze sind essbar...

Rolf Zingg
www.factorey.ch
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