45_Die unheimliche Macht der Pflanzen
Ohne Pflanzen keine Tiere, keine Menschen. Klar. Punktum. Ende. Aber Halt! Das meine ich nicht:
Blicken wir ein wenig in die Geschichte.
Warum wurde Amerika entdeckt? Kolumbus wollte einen Weg nach
Indien finden, um damit die Frucht der Pfefferliane auf sicherem
Weg nach Spanien zu führen. Wer ahnt, dass auch die Römer die
Partherkriege führten, um die Handelswege für die
verschrumpelten schwarzen Körner offen zu halten.
Dem Zuckerrohr ist es zu verdanken, dass die karibischen Inseln
heute so "schwarz" wie Afrika sind. Hauptsächlich für
den Zuckeranbau wurde die indianische Urbevölkerung ausgerottet
und 20 Millionen Afrikaner als Sklaven auf die Plantagen
verschleppt. Ohne das süsse Rohr hätte es vermutlich weder
Calypso noch Reggae noch die Kubakrise gegeben.
Vielleicht auch keine Karies...
Ohne den Chinarindenbaum und dem daraus
hergestellten Malaria- Gegenmittel hätte es vermutlich keine
europäischen Kolonialreiche gegeben - ohne Kaffee kaum die
Leistungsgesellschaft von heute.
Die Kartoffel wurde für ganz Europa zur Schicksalspflanze. Wie
viele Menschen sind im 19. Jahrhundert als Folge der Kartoffelfäule
ausgewandert und haben den menschenleeren Kontinent Amerika
besiedelt. Die Nachkommen dieser Kartoffelflüchtlinge machen
heute weit mehr als die Hälfte der US - Bürger aus.
Diese Liste könnte beinahe endlos weitergeführt werden. Wie sähe
die Welt aus ohne Tabak, Kokain, Opium, Haschisch. Und wie ohne
Baumwolle, Mais, alkoholische Getränke.
Pflanzen bestimmen das Geschick der Völker - seit jeher.
Achten Sie das Alltägliche!
Denken Sie daran, welche Macht Sie in ihren Händen halten, wenn Sie das nächste Mal Ihrem Steak mit Pfeffer (oder einem andern Gewürz) Geschmack verleihen und die Pommes frites dazu bereiten; wenn Sie sich Ihr Glas Wein einschenken - oder den Kaffee zum Nachtisch süssen...
| Rolf Zingg www.factorey.ch |
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