42_Der Totenbaum

Wer schon einmal unter einer Eibe gesessen hat, der weiss, wie dunkel und kühl ihre Umgebung wirkt. Diese Dunkelheit kann beängstigend aber auch faszinierend wirken. Die Eibe ist die Hüterin der Schwelle zur Anderswelt. In Schottland gilt der Standort des Baums als heilig: Dort finden die Einweihungen in die grossen Mysterien des Todes und der Wiedergeburt statt.

Die Eibe wird bei uns häufig auf Friedhöfen gepflanzt und weist damit auf den Totenbaumcharakter in unserem Kulturkreis hin. Die Römer setzten in gewissen Situationen auf Gifttränke aus dem Saft der Zweige.

Alle Teile der Pflanze, mit Ausnahme des roten Samenmantels, sind nämlich tödlich giftig. Die Stoffe wirken lähmend auf den Herzmuskel - und auf unerwünschte Leibesfrucht. Zeichen des Todes! Tödlich ist auch die Wirkung des Taxins auf Pferde. Es gab Zeiten, da war es per Gesetzesdekret untersagt, an Strassen Eiben zu pflanzen.
Das lateinische Taxus bedeutet Bogen, ebenso das althochdeutsche Iwa, aus dem der Name 'Eibe' entstand. Als langsam nachwachsende Waffenkammer wurde der Schattenbaum im Mittelalter an Burghügeln gepflanzt. Die Ägypter verfertigten ihre Särge aus diesem Material. Und bis in die Neuzeit hinein bestanden Galgen aus dem fäulnisresistenten Holz des Totenbaums.

Der Baum ist aber auch Lebensbaum. In der Natur ist von jeder Wahrheit das Gegenteil wahr. Das haben wir gelernt. So wirkt er als Symbol des ewigen Lebens in der Magie als dämonenverscheuchend. - Und für naturwissenschaftliche Geister: aus dem Extrakt der Rinde wurden in jüngster Zeit krebsheilende und damit lebensfördernde Substanzen extrahiert...

Nutzen Sie die positiven Kräfte!

Der Samenmantel eignet sich nach Entfernen des Kerns ausgezeichnet als Zusatz zu Kompott, Mus und Konfitüren. Besonders gut schmecken Mischungen mit leicht sauren Früchten, wie Berberitze, Sanddorn, Him- und Erdbeeren.

Rolf Zingg
www.factorey.ch
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