48_Der Frühling findet im Winter statt

In katholischen Gegenden pflegt man noch heute den schönen Brauch, am 4. Dezember, dem Gedenktag der heiligen Barbara (Märtyrerin, von ihrem eigenen Vater 306 n. Chr. hingerichtet), in der warmen Stube Zweige ins Wasser zu stellen (meistens von der Kirsche oder von Schlehdorn, Zwetschge, Pflaume), damit sie an Weihnachten erblühen.

Der Brauch ist aber heidnischer Herkunft. Im blühenden Zweig sahen unsere Vorfahren ein Zeichen der Hoffnung auf das immer wieder erwachende Leben. Mag mit dem Winteranfang der Tod scheinbar die Oberhand über die Kräfte der Natur zu erlangen, so beweist der blühende Zweig am Sonnenwendfest das Gegenteil. Er kündet Zukunft an und lässt erahnen, dass aus dem Sterben Leben erwacht.

Der blühende Zweig ist damit nicht nur ein willkommener Blumenschmuck in der blumenarmen Winterzeit. Sein Sinn liegt tiefer: Er verweist mit seinen Blüten an Weihnachten für gläubige Christen auf ein bedeutendes Geheimnis hin. Wie das Blühen des Zweiges neues Leben verheisst und Hoffnung auf Frucht und Ertrag bedeutet, so bricht in der Geburt Christi neue Lebenshoffnung und Aussicht auf Erfüllung aller menschlichen Sehnsüchte auf.

Bringen Sie den Barbarazweig zum Blühen!

Sie dürfen aber jetzt nicht denken, man könne jederzeit einen Zweig ins Wasser stellen, um ihn zum Blühen zu bringen. Etwas Magie ist schon dabei. Der Baum bzw. sein Zweig muss die Vegetationsperiode abgeschlossen haben und in die Winterruhe eingetreten sein. Mit genügend Wasser und der Wärme des Zimmers schaffen wir jetzt die natürlichen Voraussetzungen des Frühlings. Der Zusammenhang mit dem Gedenktag der Heiligen Barbara ist deshalb rein äusserlich und mit seinem Datum zu erklären: Etwa 21 Tage braucht der Kirschbaumzweig zum Blühen.

P.s. Auch Forsythien eignen sich hervorragend für den Blumenschmuck am Heiligen Abend.

Rolf Zingg
www.factorey.ch
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