53_Grünlinge, die anders sind

Es gibt schon verrückte Pflanzen. Nämlich in der Jahreszeit verrrückt. Sträucher und Kräuter, die es irgendwie nicht geschafft haben, sich den Sitten und Gebräuchen anzupassen.
Während ein Grossteil der Pflanzen ihrer wohlverdienten Winterruhe frönt, sind diese Sonderlinge schon dabei Blüten oder gar Früchte auszubilden. Seidelbast, Christrose und Hamamelis (Zaubernuss) blühen im Winterschnee. Die Herbstzeitlose versteckt sich fast das ganze Jahr im Erdboden und beginnt erst im Herbst zu blühen. Im Frühjahr sie dann ihre Früchte zu finden.

Die "spinnen doch", diese Pflanzen!

Normale Individuen entwickeln sich im Jahreslauf nach einem ausgewogenen Schema. Sie spriessen aus ihrer Knospenhülle, wenn der Lenz sie wach küsst, blühen im Sommer ausreichend und erzeugen dann im Herbst ihren Samensegen.

Wer sich nicht daran hält, der muss schon etwas ganz Besonderes zu bieten haben. Und so ist es auch:

Die Christrose wartet mit hochwirksamen Digitalis – Glykosiden auf (= Herzpflanze); Hamamelis, die Zaubernuss ist eine der mächtigsten Heilpflanzen überhaupt und die zarte Herbstzeitlose und der betörend duftende Seidelbast sind tödlich wirkende Giftpflanzen.
Da Gift und Heilen (... allein die Dosis macht’s...) eng miteinander verknüpft sind, bestätigt sich die Regel, dass "abnorme" Pflanzen immer auch Heilpflanzen sind. Allerdings gehören sie ohne Ausnahme in die Hand des Fachmanns – der Fachfrau.

Rücken Sie den verrückten Pflanzen auf die Pelle!

Was haben wir Otto – Normalpflanzenfreunde mit diesen Sonderlingen zu schaffen. Nun – als Erstes geht es um das Erkennen des magischen Potentials. Und das haben Sie ja in diesem Jahr ausreichend gelernt. Christrosen machen sich zudem ausserordentlich gut als Zimmerschmuck. Der Seidelbast erfreut unsere Nasen und die Zaubernuss unsere Augen.

Die Natur markiert eben ihr Revier – auch im Winter.

Rolf Zingg
www.factorey.ch
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