B16_Unverwüstliche Lebenskraft

Pflanzen, die uns durch eine gewaltige Lebenslust auffallen, gibt es viele: Brennessel, Löwenzahn, Gänseblümchen... Doch zwei Pflanzen sind es, die eine solchen Lebenskraft an den Tag legen, dass es einem beinahe unheimlich wird.

Dort, wo Spaten, Pflug oder Rinderhufe den Boden einmal aufgewühlt haben bildet die Vogelmiere dichte teppichartige Bestände. Sie wächst und blüht unentwegt, und wo ihre Stengelknoten den Boden berühren, bildet sie neue Würzelchen. So bringt sie im Laufe des Jahres 5 bis 6 Generationen hervor und erzeugt dabei jedesmal 10000 bis 20000 Samen, die problemlos 50 Jahre keimfähig in der Erde schlummern. Wenn ihr nicht gerade klirrende Kälte einen Dämpfer versetzt, wächst und blüht sie zu jeder Jahreszeit – sogar noch unter dem Schnee.

Den Gärtner zur Verzweiflung bringt auch der Geissfuss oder Baumtropf, der, einmal da, nicht wieder wegzukriegen ist. Er wächst einfach überall: Er liebt den Stickstoff, kann aber auch ohne ihn auskommen, er weiss Feuchtigkeit und Schatten zu schätzen, aber Sonne und Dürre bringen ihn nicht um. Wer zu fleissigem Jäten rät ist entweder ein Schalk oder ein Narr, denn er übersieht, dass die zahlreichen Wurzeln wie Glas brechen und aus jedem Bruchstück schon nach wenigen Tagen wieder eine neue Pflanze spriesst.

Tanken Sie Lebensenergie!

Sehen wir das Ganze mal von der positiven Seite. Beide Überlebenskünstler herrschen über ein gewaltiges Kraftpotential. Sie sind fähig, ihre unverwüstliche Lebensenergie an uns weiter zu geben, jene Grünkraft, die Hildegard von Bingen mit überschwenglichen Worten lobpreist. Die grünen Blätter enthalten in dieser Jahreszeit besonders viel Vitamin C und Karotin, Eisen, Magnesium und seltene Spurenelemente. Beide Pflanzen sind schmackhafte Nahrungsmittel und Heilmittel erster Güte für Magen, Darm, Atemwege und Augen. Worauf warten Sie noch? Packen Sie zu!

Rolf Zingg
www.factorey.ch
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