B20_Luft + Wasser = Pflanze?

Van Helmont (1577- 1644) war der letzte Alchemist und der erste Chemiker unserer Zeit. Sein Weltbild eine Mischung aus Magie und Wissenschaft. Er schloss nach einer Odyssee durch fast alle Fachgebiete an der Universität von Löwen (B) in Medizin ab und zog sich schon kurze Zeit später als Privatgelehrter aus dem öffentlichen Leben zurück.

Der Gelehrte war fest davon überzeugt, dass alle Materie – Steine, Erde, Tiere und Pflanzen – letztlich aus Wasser bestehen. Sein Experiment wiederholen Studenten heute, 400 Jahre später noch – mit Radieschen.

V. H. nahm einen Topf mit Erde und pflanzte darin einen Weidenschössling. Das Neue in seiner Zeit war: Er wog sämtliche Bestandteile genau und notierte sich die Ergebnisse. Ausser zu giessen, überliess er den Baum sich selbst. Fünf Jahre später trennte er den Weidenbaum von der Erde und wog beide Teile wiederum: Zwar war einiges von der Erde verlorengegangen, jedoch wog die Pflanze mit ihrem Holz und dem Grünzeug 164 Pfund mehr als zuvor. Dies alles konnte, so folgerte er, nur aus dem Giesswasser entstanden sein.

Van Helmonts Experiment war das erste auf dem Weg zur Klärung des geheimnisvollen Vorgangs, den man später Photosynthese nannte: Die Umwandlung der energiearmen Verbindungen Wasser und Kohlendioxid mittels Licht in energiereiche Stoffe, die den Tieren und Menschen als Nahrung dienen.

Von Luft und Wasser, Licht und ein paar klitzekleinen Spurenelementen leben wir. Pflanzen, Tiere und Menschen. Wahnsinn, nicht?

Conditio – sine qua non !

Vielleicht müsste man in heutiger Zeit eher formulieren: Von frischer Luft, unverschmutztem Wasser, und der Kraft der Sonne leben wir. Und doch – so ganz befriedigt diese Aussage nicht. Ist da nicht noch mehr? Da halte ich mich lieber an die Aussage Rudolf Steiners, die besagt, dass der Plan des Architekten nebst der Summe der Stoffe das Wesentliche ausmacht. Und Sie?

Rolf Zingg
www.factorey.ch
                    Zurück zur magischen Übersicht