B22_Das Pflanzentelefon
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Eine Gruppe von Käfern macht sich genüsslich über die Blätter einer Tomatenpflanze her. Driiiing! Dieser Vorgang löst in der Pflanze ein Alarmsignal aus. Der Gastgeber beginnt unmittelbar giftige Substanzen zu produzieren oder zu vermehren. Sollten die Tiere ihre Mahlzeit fortsetzen, schmecken die kulinarischen Leckerbissen zunehmend schlechter, werden unverdaulicher und nährstoffärmer. Die Käfer werden krank, stellen ihr Wachstum ein und verhungern in der Folge kläglich. Der Alptraum wäre keineswegs beendet, wenn die Krabbler zur nächsten Pflanze weiterflögen. In der Nachbarschaft haben nämlich alle Grünlinge begonnen, dieselbe Antikäfersubstanz herzustellen.... Eine Phantasiestory?
Wissenschaftliche Studien bestätigen dieses Szenario. Internationale Forschungsteams, die Untersuchungen in dieser Richtung betreiben, stellen übereinstimmend fest: Pflanzen wehren sich gegen das Gefressenwerden und teilen der Umgebung ihre Reaktion mit. Diese wird mittels chemischer Botenstoffe auf dem Luftweg übertragen. Pflanzen in Windrichtung fangen die Signale auf und reagieren ihrerseits adäquat. Erstaunlich dabei ist, dass nicht nur Spezies der gleichen Art Änderungen in ihrem chemischen Produktionsverhalten zeigen. Die Botschaft wird wohl abgehört und, wo "nötig", umgesetzt. Ob Schnecken die Leitung anzapfen können, ist unbekannt. Vielleicht fressen sie entgegen dem Wind...
Vegetarier obacht!
Sollten Sie Vegetarier sein, so verbrennen Sie diesen Artikel¨so schnell als möglich. Oder amüsieren Sie sich. Wo kämen wir denn hin, wenn Pflanzen auch noch ihre Ansprüche geltend machen würden. Und überhaupt: Pflanzen verfügen weder über ein Nervensystem, noch über eine Schaltzentrale, wie soll eine Informationsverarbeitung geschweige denn ein Regelsystem in Gang gesetzt werden? Tja ein paar Geheimnisse sind schon noch zu lüften.
| Rolf Zingg www.factorey.ch |
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