B23_Färbepflanzen

Der Blick in den Modekatalog gibt unmissverständlich Auskunft über die Farben, die diesen Sommer getragen werden müssen, um nicht als "Landei" zu gelten. Die Kleiderfarben, die ursprünglich ein Kommunikationsinstrument erster Güte waren, krächzen heute nur noch: "in" oder "out" – allenfalls noch "alternativ".

Die Herstellerinnen der traditionellen Kleider überliessen nichts solcher Willkür. Farben zeigten den gesellschaftlichen Stand an, das Alter, den Heimatort, den Ehestand...

So brachten die Bauern mit ihrem Braun und Grün die liebevolle Verbundenheit mit der Scholle und die damit verbundene Zuversicht und Hoffnung zum Ausdruck.

Auch Gefühle und Absichten wurde oft dem gefärbten Stoff mitgegeben: Blau für Treue, Rot für Liebe, Gelb für Glück, Schwarz für Trauer.

Farben sind nämlich Ausdruck übersinnlicher Kräfte. Ihre Eigenschaften – auch diejenigen der Färbepflanzen – übertragen sich automatisch auf den Träger (siehe auch "Die rote Farbe der Leidenschaft").

Die Mehrzahl dieser Kräuter sind zudem Heilpflanzen. Dieselben Substanzen, die für das Färben verantwortlich sind, agieren in unserem Körper.

Färben Sie Ihre Kleider selber!

Wolle und Seide eignen sich hervorragend für unsere Versuche – im Gegensatz zu Baumwolle. Zuerst muss allerdings das Gewebe für die Pflanzenfarbstoffe mittels einer Beize aufnahmefähig gemacht werden (in Alaun – aus der Drogerie oder Apotheke – auskochen).

Zum Färben eignen sich viele Pflanzen. Hier eine Auswahl: Apfelbaumrinde für Gelb, Kreuzdornfrüchte für Orange, Randen oder Stechpalmblüten für Rot, Löwenzahnwurzeln oder schwarze Johannisbeeren für Violett, Walnussfruchtschalen für Braun, Kirschenrinde für Grau, Brennnesselkraut für Grün und Färberweidsaft für Blau bis Schwarz.

Der Farbton ist abhängig von der Stärke des Ansatzes (Flotte) und der Behandlungsdauer.

Rolf Zingg
www.factorey.ch
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