B24_Zaubertrank

Der Salbei, der seit dem Altertum von Menschen genutzt wird, gehört für den Kräuterkundigen zu den wichtigsten Kräutern. Sein Name ist von dem lateinischen "salvare" – heilen, sich wohlfühlen, retten abgeleitet. Bekannt ist der Spruch der Mönchsmedizin aus dem 13. Jahrhundert: Cur moriatur homo, cui salvia crescit in horto, was soviel heisst wie: Warum soll der Mensch sterben, während Salbei in seinem Garten wächst. Dieser Satz nimmt höchstwahrscheinlich Bezug auf die antibiotischen, pilzhemmenden und schleimhautheilenden Eigenschaften der Pflanze.

Für unsere Vorfahren war der Salbei Liebespflanze. Unter der Türschwelle der Angebeteten vergraben, lässt sie die Zuneigung zum Grabenden reichlich fliessen. Glaubt man einem alten Kräuterbuch, so schärft der Genuss von Salbeitee den Blick der Männer für weibliche Reize. Wie dem auch sei, ein Tee daraus ist eines der erfrischendsten und wohltuendsten Getränke, die wir kennen. Auch für Räucherzeremonien wurde und wird Salbei verwendet, wohl um ansteckende Bakterien zu vertreiben und den Raum rituell zu reinigen, ihn zu weihen und zu salben.

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Ein altes Zaubertrank – Rezept bekundet: "Den Salbei zerhackt, gesotten (in Wein) und getrunken treibt den Harn, die Zeit der Frauen und die Frucht aus dem Mutterleib, stärkt das schwache Haupt und Hirn, kräftigt die Nerven, erwärmt Magen und Glieder, bringt den verlorenen Appetit wieder, vertreibt das Zittern der Hände, das Seitenstechen, den Husten, stärkt Herz und Haare, stopft den Stuhlgang, erwärmt die Leber, vertreibt Fieber und Geschwüre und stellt die Zeugungskraft wieder her."

Da haben wir doch wahrlich für jede und jeden etwas – oder für eine(n) alles – nicht wahr?

Interessant ist, dass bei dieser Pflanze die moderne Pharmakologie die alten Volksanwendungen fast alle bestätigen kann. Eben ein Zaubertrank, der wirkt!

Rolf Zingg
www.factorey.ch
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